In den international renommierten Weinbauregionen gibt es teilweise seit langem Klassifikations- und Bezeichnungsregeln: z.B. in Bordeaux die Betriebsklassifikation (Chateau Weine), im Burgund und im Elsaß die Lagenklassifikation (Village und Grand Crus - Lagen). Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der jeweiligen Weingesetze geworden.

In Deutschland wurde mit dem Weingesetz von 1971 der zunehmend als fragwürdig anzusehende Weg der "Qualität im Glas" beschritten, d.h. jeder Wein ist "klassifiziert", wenn er die amtliche Prüfnummer erhält - gleichgültig ob er in einer renommierten Spitzenlage oder in einer sog. Großlage gewachsen ist. Dieses System läßt keinen Spielraum für eine deutliche und legale Kennzeichnung einer besonderen Betriebs- und Lagenqualität.

Initiiert von einigen engagierten Rheingauer CHARTA- und VDP- Winzern wurde seit 1990 in deutschen Weinbaugebieten sowie in der Presse eine intensive Diskussion über eine international vergleichbare Klassifikation auch für deutsche Weine geführt.

Inzwischen hat das Rheingau als einziges deutsches Anbaugebiet im Jahr 2000 das gesetzlich zugelassene Gütezeichen "Erstes Gewächs" (frz: Premier Cru) eingeführt. Grundlage ist die parzellenscharfe Abgrenzung einiger Spitzenlagen, auf denen aufgrund wissenschaftlich ermittelter Daten im Durchschnitt der Jahre eine höhere Traubenqualität heranwächst. Die Weine, die in den "klassifizierten Lagen" geerntet werden, können nach einer zweiten sensorischen Prüfung als "Erstes Gewächs" angeboten werden, wenn sie dem gesetzlich fixierten Anforderungskatalog entsprechen.

Damit vollzieht sich eine Rückbesinnung auf die "gute alte Zeit". Denn etwa bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wiesen Angebotslisten renommierter Güter oder Weinhandlungen Guts-Weine auf wie z.B. "Schloss Johannisberg" oder Ortsweine, z.B. "Rauenthaler" oder "Erbacher". Und nur die herrausragenden Spitzenweine wurden mit ihrer Einzellagen-Bezeichnung angeboten ("Erbacher Marcobrunn", "Rauenthaler Baiken"). Das war eine "marktgerechte" Klassifizierung, die sich leider nicht der Weingesetzgeber, wohl aber das Finanzamt zueigen machte: die Einheitswerte und Grundsteuern waren um ein Vielfaches höher als die der sonstigen Lagen!

Die folgenden Jahrzehnte brachten eine Inflation von Lagennamen und Produzenten, die am Verkaufserfolg der Spitzennamen partizipieren wollten, ohne die Qualität gewährleisten zu können.

Zusätzlich wurden mit dem Weingesetz von 1971 einige Lagennamen, die sich gut vermarkten ließen, entweder zu gemarkungsübergreifenden Großlagen ernannt oder weit über ihre ursprüngliche Grenzen hinaus vergrößert. Durch diese überproportionale Ausweitung auf Flächen mit anderem Boden und Kleinklima werden jedoch lagen-untypische, häufig nicht mehr vergleichbare Weine erzeugt, die kaum noch etwas mit den klar zuzuordnenden Weinen aus den ursprünglichen Kernstücken dieser Lagen zu tun haben.

Die jetzige Einführung des "Erstes Gewächs" eröffnet die Chance, zu den ursprüngen zurückzukehren.

In meinem Angebot werden die Weine nur dann mit ihren Lagenamen bezeichnet, wenn sie aus den Kernstücken dieser Lagen stammen und den eigenen hohen Qualitätsansprüchen genügen. Die anderen werden als Gutsweine gekennzeichnet. Sie können damit eine Cuvée aus verschiedenen Lagen meines Betriebes sein. Dabei führt die Suche nach der richtigen Cuvée zur optimalen Qualität des Weines. Auch jedes klassifizierte Bordeaux-Chateau stellt die richtige Cuvée als das wesentliche Betriebs- und Qualitätsmerkmal heraus.

Ich gliedere die Weine meines Betriebes in folgende Klassen:

Guts-Wein ::: Qualitätsweine mit der Gutsbezeichnung "Baron Knyphausen",
geschmacklich trocken bzw. feinherb. Es sind die für mein Weingut und den Qualitätsanspruch typischen, charakteristischen Weine.

Lagen-Wein ::: Prädikatswein ab der Qualitätsstufe Kabinett - mit Einzellagen-Bezeichnung; geschmacklich trocken oder fruchtig.
Die Einzellagen Bezeichnung erhalten nur ausgesuchte Weine aus den Kernstücken dieser Lagen, die in Geschmack und Bukett den lagenspezifischen Charakter zeigen.

Erstes Gewächs ::: Spitzenwein mit Einzellagen-Bezeichnung aus den Rheingauer Weinbauverband klassifizierten Lagen.
Erzeugt, ausgebaut und geprüft: bis Jahrgang 1998 nach den Richtlinien der Charta-Rheingau, ab Jahrgang 1999 nach den Richtlinien des Rheingauer Weinbauverbandes (gesetzlich fixiert).
Geschmacklich trocken, mit viel Potential und Substanz. Nur selektive Handlese, niedrigste Erträge (max. 50hl/ha), keine Prädikatsangabe auf dem Etikett. Im Vordergrund steht das "Terroir", die wiederkehrende Individualität der Lage, geprägt durch Boden und Kleinklima.

Charta ::: Das 2. Gewächs aus den klassifizierten Lagen.
Die in einer "Charta" festgelegten besonderen Merkmale dieser Weine sind: klassischer Typ eines Rheingauer Rieslings im trockenen Stil, mit feiner Säure und mit einer der geschmacklichen Harmonie dienenden feinen Restsüße, besonders zum Essen empfohlen.

12 Monate Lagerreife auf Faß oder Flasche - zum Verkauf nur zugelassen nach zweimaliger Prüfung durch ein Gremium erfahrener Inhaber und Kellermeister namhafter Rheingauer Weingüter.

Edelsüßer Wein ::: Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein - als Krönung der Lagenweine im edelsüßen Bereich. Nur in außergewöhnlichen Jahrgängen gelingt die Erzeugung dieser Raritäten durch 2 bis 3 malige Selektion des Lesegutes per Hand und durch behutsame Pflege der Weine im Keller.

Weissherbst und Rotwein aus Spätburgunder
Der Blaue Spätburgunder, neben dem Riesling die klassische Rheingauer Rebsorte, gilt als beste Rotweinsorte, mit hohen Ansprüchen an Lage und Boden.
Die Weine sind vollmundig, von heller bis rubinroter Farbe, mit feinem Mandelgeschmack und geringer Gerbsäure.
Für Rotwein weden ausschließlich vollreife, durchgefärbte Trauben selektiert, die traditionell auf der Maische und mit biologischem Säureabbau vergoren werden.
Der "UNICO" wird ebenfalls ausschließlich aus vollreifen, roten Trauben gewonnen, die ohne Maische-Kontakt sofort abgepresst, weissgekeltert, werden ("Blanc-de-Noirs"). Der helle Vorlauf wird von dem sich verfärbenden Nachlauf getrennt.
Als Weissherbst ausgebaut hat der Spätburgunder eine herzhaft-würzige, frische Art, die durch den trockenen Ausbau noch unterstrichen wird.

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